12.07.2010
Gesamtkirchengemeinderat bearbeitete Zukunftsthemen
Wie den Mitgliederrückgang gestalten? Der Gesamtkirchengemeinderat Stuttgart hat sich in seiner Sitzung am Samstag (10. Juli) mit einem ganzen Bündel von Zukunftsthemen befasst. Darunter fünf Baumaßnahmen und die Frage, was bei der Berger Kirche zu tun ist, deren Sanierungskosten die Möglichkeiten der Gesamtkirchengemeinde übersteigen.

Engagierte Vordenker und Entscheiderinnen für 22 Kirchengemeinden - Gesamtkirchengemeinderat Stuttgart
Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart reagiert auf diese Veränderung mit einem umfassenden Immobilienkonzept. Die „Immobilienliste“ gilt seit 2005. Der Gesamtkirchengemeinderat hat als Teil des Immobilienkonzeptes am Samstag fünf große Baufinanzierungen beschlossen. Für 2,4 Millionen Euro soll das Pfarrhaus der Johanneskirche am Feuersee zum Gemeindehaus umgebaut werden. Im Gegenzug wird das bisherige Gemeindehaus in der Reuchlinstraße verkauft. Der Innenraum der Heslacher Matthäuskirche wird für rund 2 Millionen Euro saniert. Bei der Außensanierung der Matthäuskirche wurde der dritte Bauabschnitt genehmigt (Gesamtkosten: 714.000 Euro), ebenfalls der dritte Bauabschnitt der Außensanierung der Leonhardskirche (870.000 Euro) und der Finanzplan zum Umbau der Rosenbergkirche. Dort wird das Gemeindehaus aufgegeben, die Gemeinderäume werden in einem Teil der Kirche untergebracht. Gesamtkosten: 2,15 Millionen Euro.
Im Fall der Rosenbergkirche bleibt der Kindergarten am Standort erhalten, die Gesamtkirchengemeinde mietet die Räume vom Investor zurück. „Man muss nicht Eigentümer sein, um seine Arbeit zu machen“, erläuterte Kirchenpfleger Hermann Beck. Beim Rosenberg-Areal sei es gelungen, „eine maßgeschneiderte Lösung zu finden“.
Erhaltenswert, aber nicht finanzierbar? Problemfall Berger Kirche
Nicht so glatt läuft die Rettung der sanierungsbedürftigen Berger Kirche. Sie ist im Immobilienkonzept als „verzichtbar“ eingestuft. Der Gesamtkirchengemeinderat stellte in seinem Beschluss fest, dass die Kirche erhaltenswert ist, dass aber gründlich geprüft werden soll, wer als Partner zur Finanzierung der Maßnahme mit an Bord geholt werden kann. Dazu wird eine Steuerungsgruppe eingesetzt. Pfarrer Helmut A. Müller (Hospitalhof) sieht bei der Bauerhaltung eines für die Stadt so markanten Kirchengebäudes auch die Kommune in der Pflicht: „Wenn das Daimlerstadion mit viel städtischem Geld umgebaut wird, stellt sich schon die Frage, ob die Stadt nicht dafür gewonnen werden kann, sich auch für die Erhaltung dieser schönen Kirche zu engagieren.“
Keine neuen Mobilfunkanlagen
Ferner beschloss der Gesamtkirchengemeinderat, dass die Gesamtkirchengemeinde keine neuen Mobilfunkanlagen mehr an ihren Gebäuden zulässt und bestehende Verträge mit Mobilfunkbetreibern nicht verlängert. Dem Beschluss ging eine engagierte Diskussion voraus. „Wenn wir keine Antennen wollen, dann müssen wir auf Mobilfunk ganz verzichten“, spottete ein Pfarrer. Und ein Kirchengemeinderat klagte über die Mobilfunkgegner-Szene: „Da werden irrationale Ängste geschürt!“ Stadtdekan Ehrlich stellte dagegen klar: „Es geht uns nicht darum, die Gefährdung durch Mobilfunk zu bewerten. Da steht Gutachten gegen Gutachten. Aber wenn ich als Dekan sehe, dass eine große Auseinandersetzung über Jahre hinweg entsteht, dann muss ich mich doch fragen, wie ich als Leitung diese Situation befriede. Es geht hier nicht um die Frage des Rechthabens.“
Einen eigenen Bericht zum Tagesordnungspunkt "Zukunft der Kirche in Zeiten des demografischen Wandels" finden Sie, wenn Sie auf diesen Link klicken.
Zur Gesamtkirchengemeinde Stuttgart gehören 22 Kirchengemeinden zwischen Botnang und Gaisburg, Killesberg und Weinsteige mit insgesamt rund 55.000 evangelischen Gemeindegliedern. Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderates sind Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich und der gewählte Vorsitzende, Dr. Traugott Hahn.
Autor: Christoph Schweizer
zurück zur Übersicht